Die vier Männertypen und ihr Entwicklungspotential

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Nachdem der eine oder andere Leser vielleicht bereits den Männertypentest gemacht hat und herausgefunden hat, welche Männertypen es in der Männerpsychotherapie gibt, soll sich dieser Beitrag auf die Entwicklungspotentiale dieser Männer konzentrieren. Ich will dazu die verschiedenen Männertypen etwas ausführlicher betrachten und etwas aus dem therapeutischen Nähkästchen plaudern. Dabei soll es um diese Fragen gehen: Was führt den jeweiligen Männertyp in die Therapie? Welche Herausforderungen gibt es zu bewältigen? Was können sie dort erleben, um sich selbst weiterzuentwickeln? Ich will an dieser Stelle aber nochmal darauf hinweisen, dass die verschiedenen Typen natürlich nur überzeichnete Charaktere von echten Männern sind. Wenn du den Test ausgefüllt hast, hast du vermutlich gemerkt, dass dein Profil aus einer Mischung dieser Typen besteht, du aber auch eine Tendenz hin zum einen oder andere Typus hast.

Bevor du diesen Eintrag weiterliest, solltest du den Typentest gemacht haben. Du findest ihn hier:

 
Der Klassische Versorger

Therapieanlass: Der klassische Versorger meidet in der Regel eher die Psychotherapie. Sein freiwilliges Interesse an einer Selbstentwicklung ist eher gering. Er kommt vor allem dann in die Therapie, wenn es brennt: Wenn er unter psychischen Symptomen leidet, wie unter Ängsten, Depressionen, Erschöpfungszuständen oder Zwängen. Ein anderer Anlass können starke Konflikte in der Partnerschaft sein, zum Beispiel, wenn die Partnerin in Konflikt mit den eher konservativen Ansichten dieses Männertypus gerät. Diese Symptome für sich wären für viele klassische Versorger noch kein Anlass für eine Psychotherapie, wenn nicht die Erwerbstätigkeit und damit die Versorgerrolle dieses Mannes bedroht wäre. Da diese den Kern seines Männlichkeitsbildes ausmacht, fühlt sich der Mann existenziell bedroht und ist (zumeist auf Anraten des Hausarztes) bereit sich auf eine Therapie einzulassen.

In der Therapie: Während der Therapie fällt es dem klassischen Versorger meistens gar nicht so leicht, sich auf das neue Umfeld einzulassen. Hier geht es nämlich ums Sprechen, um Erleben und Gefühle, was vielen dieser Männer spanisch vorkommt. Denn genau diese Qualitäten fehlen diesem Männertypus am meisten. Stattdessen haben sie ihr Leben am Handeln ausgerichtet: „was nicht passt wird passend gemacht“ oder „geht nicht, gibt’s nicht“! Und entsprechend erwartet dieser Männertyp von seinem Therapeuten auch ähnlich wie von einem Werkstattmechaniker, dass er hier sein Fahrzeug abgibt und der Fachmann den Rest macht. Leider zu kurz gedacht, denn die Psyche ist etwas komplexer als ein Auto und ein Nervensystem braucht Zeit und viel Wartung mit eigenem Zutun, bis das Problem behoben ist. Und meistens ist es weniger das Fahrzeug, sondern die Fahrweise, die dieser Männertyp verändern müsste. Und da lohnt es sich auf die feinen Fahrzeuggeräusche zu achten, die Gefühle und Bedürfnisse, damit sich der Fahrstil dauerhaft verändern kann. Aber genau hier stoßen selbst erfahrene Therapeuten auf Widerstände. Lassen sie sich auf diese ein und zum Fahrzeugmechaniker instrumentalisieren, ist auch der Therapieerfolg in Gefahr. Was es hingegen braucht ist ein Balanceakt zwischen einer Nutzung der Ressourcen dieses Männertyps und ein erforschen der leisen Töne, also der Gefühle und Bedürfnisse.

Entwicklungspotential: Die Schwächen dieses Männertypus sind zugleich auch seine Stärken. Seine Handlungsorientierung, gepaart mit einer großen Motivation zum Üben und Verändern lassen sich nämlich auch nutzen, um dich das neue Feld, der Gefühle und Bedürfnisse, zu erschließen. Gelingt es diesem Männertyp sein Potential in diesem Bereich zu entfalten, verschwinden in der Regel auch seine Symptome. Die Partnerinnen dieser Männer sind oft Dankbar über den Gewinn an Kommunikationsqualität. Auf der Arbeit ist die Gefahr des Ausbrennens geringer, denn sie haben gelernt ihren Körper besser zu spüren und nicht nur zu nutzen.

 
Der Lifestyle Mann

Therapieanlass: Der Lifestyle Mann ist prinzipiell sehr therapiescheu. Er meidet die Therapie, weil er schlichtweg nichts davon hält. Warum auch, denn er besticht durch sein strahlendes Auftreten und die Demonstration seiner Stärke. Es gibt jedoch Momente, wo es selbst den „stärksten“ Mann umhaut, wenn er beispielsweise den Job verliert oder die Ehefrau die Scheidung einreicht. Es sind in der Regel gravierende Erfahrungen, die diesen Männertyp dazu veranlassen eine Männerpsychotherapie zu beginnen. Oftmals geht dem ein Aufenthalt in der Psychiatrie, bei einem Facharzt oder dem Hausarzt zuvor. Und oft geht dem ein langes Ärzte-hopping voraus, bis er zum x-ten Mal bescheinigt bekommen hat, dass sein Körper nicht die Ursache seiner Probleme sein können, sondern die Psyche eventuell mal in Betracht gezogen werden sollte. Neben den eigentlichen Problemen wie Ängsten, Depressionen oder psychosomatischen Beschwerden, kommen oftmals auch verschiedene Süchte hinzu, die zu Beginn der Probleme noch zur Selbstbehandlung dienten. Aus den zwei Bier zum Einschlafen wurde inzwischen eine feste Routine, weshalb an Schlaf ohne einer entsprechenden Dosis Alkohol gar nicht mehr zu denken ist.

In der Therapie: Die Anfangsphase einer Psychotherapie ist hier besonders spannend. Der Lifestyle Mann ist es nämlich in der Regel nicht nur gewohnt seine Stärke zur Schau zu stellen, sondern auch zu beweisen. Er tut das besonders gerne in einem Umfeld, das in ihm vielleicht Unsicherheit auslöst. Das Ergebnis ist ein Rivalisieren mit dem Therapeuten, der ihm eigentlich nur seine Hilfe anbieten möchte. Das rivalisieren zeigt sich durch Wortgefechte, wobei beim Therapeuten die Frage Raum gewinnt, warum sich dieser Mann überhaupt in eine Therapie begibt? Entsprechend bedarf es viel Fingerspitzengefühl, um einerseits nicht zu kränken und andererseits die Sinnhaftigkeit des Vorgehens deutlich zu machen. Erst wenn sich der Lifestyle Mann durch den Therapeuten nicht mehr bedroht sieht und sein Hilfsangebot versteht, kann der Prozess fortschreiten. Meistens ist dann schon ein großer Teil der Arbeit erreicht, in der der Lifestyle Mann mit wichtigen Themen konfrontiert wurde, die er vermutlich auch aus seinem Privat- und Arbeitsleben kennt. Das sind Themen wie Dominanz, Leistung und Selbstwert.

Entwicklungspotential: Gelingt es dem Lifestyle Mann sich auf das Therapieangebot einzulassen, stehen Große Gewinne in Aussicht. Aus dem Zwang zur Leistung, Machterhaltung und Selbstbestätigung entstehen durch neue Einsichten mehr Flexibilität im Erleben und Verhalten. Dem Lifestyle Mann fällt es dann leichter sich auch mal mit Humor zu betrachten. Er kann sich auch leichter in andere Menschen einfühlen, was ihm seine Freunde und (zukünftige) Partnerin danken wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Lifestyle Mann zukünftig auf seine Stärke verzichten muss. Vielmehr ist aus dieser eine authentische Stärke geworden, die miteinschließt, dass er sich auch mal Schwächen und Fehler eingestehen kann, was ihn ungemein sympathischer macht.

 

Der moderne Mann

Therapieanlass: Der moderne Mann begibt sich aus Eigenmotivation in eine Männerpsychotherapie. Im Vordergrund stehen für ihn nicht nur psychische Symptome. Er sieht Psychotherapie auch als Teil der Selbsterkundung seiner „weichen“ Anteile und möchte dieses Feld nicht dem anderen Geschlecht überlassen. Neben einer zentralen Symptomreduktion will er sich mit seinen Gefühlen und Bedürfnissen noch näher kennenlernen und vielleicht die schwierigen Erfahrungen seiner Kindheit aufarbeiten. Der Nutzen einer Psychotherapie ist ihm bekannt. Seine Partnerin würde sich vielleicht wünschen, dass er auch mal klare Kante zeigt und sich besser abgrenzen lernt. Das lehnt der moderne Mann jedoch teilweise ab, weil es seinem Bild der Weiblichkeit im Mann nicht entspricht.

In der Therapie: Zu Beginn der Therapie ist oftmals nicht klar, was den modernen Mann überhaupt in die Therapie führt. Der Behandlungsanlass ist nämlich meistens deutlich weniger gravierend als bei den vorigen Männertypen. Ist dieser geklärt, verläuft die Therapie von Anfang an zumeist sehr sanft. Denn die Bereitschaft des neuen Mannes sich auf experimentelle Methoden der Psychotherapie einzulassen ist groß, ebenso die kommunikativen Fähigkeiten und die Fähigkeiten zum Spüren und wahrnehmen. Die Therapie kann sich dabei an den selbst festgelegten Zielen des neuen Mannes orientieren. Wichtiger ist es jedoch oftmals, die verdrängten Anteile des „klassischen Mannes“ und die damit einhergehenden Qualitäten ins Visier zu nehmen.

Entwicklungspotential: Der moderne Mann profitiert einerseits durch das Erreichen seiner Selbstgesteckten Ziele. Aber auch die (Wieder-) Erschließung von bisher abgelehnten Fähigkeiten wie Selbstbehauptung, Durchsetzungsstärke und ein gesunder Zugang zur Aggression, helfen diesem Männertyp sein Potential zu erweitern. Es geht auch hier nicht darum, künstliche Verhaltensweisen einzustudieren, sondern auf das zurückzugreifen, was in uns allen angelegt ist und ganz gelebt werden will.

 

Der postmoderne Mann

Therapieanlass: Der postmoderne Mann hat sich oft schon viel mit sich selbst und seiner Männlichkeit auseinandergesetzt. Auch er ist für die Psychotherapie sehr offen. Vielleicht hatte er zuvor noch als moderner Mann in einer ersten Therapie nach der Exploration seiner weichen Anteile auch seine Männlichkeit wiederentdeckt. Er kommt deshalb vor allem dann in die Therapie, wenn er entweder in einer schweren Krise steckt, aus der er selbst keinen Ausweg findet oder ihn ein altes Problem noch weiterhin belastet.

In der Therapie: In der Therapie fällt es dem postmodernen Mann sich leicht auf die Therapie einzulassen. Durch ein hohes Maß an geistiger und emotionaler Flexibilität, verfügt er über ein breites Spektrum an Fähigkeiten, mit denen der Therapeut gut arbeiten kann. Ängste, die ihn am Fortschreiten der Therapie hindern könnten, sind gering und subtil. Aber genau darin liegt oft die Herausforderung für den Therapeuten. Schaut dieser genau hin, ist der Therapieerfolg vielversprechend.

Entwicklungspotential: Der postmoderne Mann verwirklicht durch das flexible Zurückgreifen auf harte und weiche Teile seiner Persönlichkeit bereits einen großen Teil seines menschlichen Potentials. Durch die Psychotherapie kann er dazu befähigt werden, noch weiter voranzuschreiten, wenn es zu Schwierigkeiten im Leben kommt.

 

Ich hoffe mir ist es bei dieser Charakterisierung der vier Männertypen gelungen, einen Eindruck davon zu geben, was sie für die Männerpsychotherapie bedeuten. Natürlich besitzen wir alle Anteile der verschiedenen Männertypen und werden zur Psychotherapie durch ein bestimmtes Problem motiviert. Entsprechend ist jede Psychotherapie ein höchst individueller Prozess im Rahmen einer Begegnung zwischen dem individuellen Mann und seinem Therapeuten. Was eine Männerpsychotherapie für dich leisten kann, kannst du durch ein kostenloses Erstgespräch erfahren.

Lust dein eigenes Entwicklungspotential zu entfalten?