What is love? Vom unterschiedlichen Liebesverständnis von Männern und Frauen

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Lesezeit: 6 Minuten

“What is love is love?“ ist nicht nur der Titel meiner Umfrage gewesen, sondern auch der Name eines Lieds von Haddaway  aus dem Jahr 1992. In diesem Lied wiederholt der Sänger mit einem leichten Ton von Verzweiflung in seiner Stimme genau diese Frage und folgt dann mit „lady don’t hurt me, don’t hut me, no more.“
Der Begriff Liebe scheint also ein eher abstrakter Begriff zu sein und auch Gefühle von Schmerz zu verursachen. Das deckt sich zumindest mit meinem Erleben in verschiedenen Beziehungen, in denen ich auch immer wieder den Eindruck hatte, dass es häufig um Missverständnisse bezüglich des Begriffs „Liebe“ ging. Um ein bisschen mehr Klarheit über den Begriff Liebe zu bekommen, habe ich mich auf die Suche nach einem Synonym gemacht und dabei über hundert Leute bei einer Onlineumfrage gefragt, durch welchen Begriff sie den Begriff „Liebe“ am ehesten austauschen würden. Ich hatte auch eine Ahnung davon, dass es beim Begriffsverständnis Unterschiede zwischen Männern und Frauen geben könnte. Die Ergebnisse haben mich überrascht. Ich möchte sie in diesem Blogbeitrag teilen, um Selbstreflektion und Austausch anzuregen.

 
Der Liebesbegriff

Aber bevor ich zu den Umfrageergebnissen komme, möchte ich nochmal darauf verweisen, wie stark der Begriff „Liebe“ in unserer Gesellschaft aufgeladen ist. Man erkennt das gut an Liebesfilmen. Am Höhepunkt des Films, zumeist gegen Ende, drückt in den meisten Fällen der Mann unter hochdramatischer Musik seine Gefühle gegenüber einer Frau aus. Hier ein kleiner Ausschnitt von dem was ich meine:

In der Regel sind das die Momente von emotionaler Ergriffenheit, in denen die Kinobesucherinnen zu den Taschentüchern greifen und auch dem einen oder anderen Mann eine Träne im Auge steht, die er aber sofort wegwischt, sobald das Licht im Kino wieder angeht. Denn Männer weinen ja bekanntlich nicht und gehen ja auch immer „nur aus Liebe zur Partnerin“ mit in solche Filme 😉
Aber was genau ist es, das Männer in diesen oft hochdramatischen Szenen ausdrücken? Und was möchte mein Gegenüber von mir wissen, wenn die Frage „liebst du mich?“ aufkommt. Diesen Fragen auf der Spur, habe ich mich umgehört und zu einer kurzen online-Umfrage eingeladen. Teilgenommen haben insgesamt 104 Personen, darunter waren 78 Frauen, also ca. zweidrittel. Die Umfrage ist somit weit davon entfernt, wissenschaftlich-valide Aussagen zutreffen, aber aussagekräftig genug, um ein paar Eindrücke und Anregungen zu bekommen. Die Teilnehmer sollten nur ein Wort angeben, das für sie am zutreffendsten erschien, um das Wort Liebe zu ersetzen. Anschließend wurden sie nach ihrer persönlichen Definition gefragt. Ich bin nicht davon ausgegangen, dass das leicht sein würde und ich denke auch nicht, dass dieser Begriff ersetzt werden kann oder sollte. Vielmehr hatte ich die Idee, dass durch die offenen Antworten sich 2-4 Begriffe herauskristallisieren würden, die zur Klärung der Frage dienen könnten.

 
Umfrageergebnisse

Und tatsächlich gab es insgesamt drei Begriffe, die immer wieder auftauchten und über beide Geschlechter hinweg, favorisiert wurden. Es sind die Begriffe Vertrauen (22%), Zuneigung (14%) und Verbundenheit (14%).

 

 

Aufgeteilt nach Geschlecht, ergeben sich auf den ersten drei Plätzen kaum Unterschiede: Vertrauen ist auch hier bei beiden Geschlechtern das Wort, welches den Begriff Liebe am besten beschreibt, gefolgt von Zuneigung und Verbundenheit. Spannender wird es hingegen, wenn man auf die Plätze 4 und 5 schaut. Bei den Männern teilen sich die Begriffe Hingabe und Leidenschaft Platz vier. Die Frauen in der Umfrage tendieren eher zu Substantiven wie Freundschaft und Geborgenheit.

 

Somit könnte man sagen, dass es ein geschlechtsunabhängiges Verständnis vom Liebesbegriff gibt, bei dem die Wörter Vertrauen, Zuneigung und Geborgenheit von zentraler Bedeutung sind. Darüber hinaus scheinen für Männer andere Aspekte zentral zu sein als für Frauen.

Beim Blick auf die Definitionen schien sich diese Tendenz leicht zu bestätigen. Beim Durchlesen der Definitionen hatte ich den Eindruck, dass für viele Männer der Aspekt von Partnerschaft zentraler sein könnte und hier auch die körperliche Komponente im Sinne einer sexuellen Anziehung. Beispiele dafür sind: „Liebe = beste Freunde + X“ oder „Eine Mischung aus Verbundenheit, Faszination für den anderen, Freundschaft und Lust.“
Das erweiterte Liebesverständnis von Frauen scheint sich meinen Eindrücken nach eher um Aspekte von Sicherheit zu drehen. Eine Teilnehmerin schrieb: „Liebe ist Frieden zu erfahren, sein komplettes Wesen angenommen zu wissen und deswegen ein warmes, geborgenes Herz in der Brust schlagen zu spüren.“ Oder: „Den Partner so anzunehmen wie er ist und sich auf ihn verlassen. Gemeinsam das Leben bestreiten. Sich gegenseitig unterstützen.“
Trotz dieser Unterschiede möchte ich an dieser Stelle nochmal darauf hinweisen, dass die Unterschiede deutlich geringer sind als die Gemeinsamkeiten. Für beide Geschlechter sind die Begriffe Vertrauen, Akzeptanz und Verbundenheit zentral für den Liebesbegriff.
Ein weiterer spannender Aspekt bei der Definition von Liebe ist die Breite des Liebesbegriffs. Ein großer Teil bezog den Begriff Liebe vorwiegend auf Partnerschaft. Um das zu verdeutlichen hier ein Definitions-Beispiel: „Liebe ist Glück zu zweit“. Andere Teilnehmer interpretierten den Begriff weiter und verstanden darunter: „Liebe ist eine starke Energie oder Kraft zwischen Wesen (Menschen, Tiere), oder von Wesen zu Dingen, die von Vertrauen, Wärme, Verbindung und offenem Herzen geprägt ist“. Recht deutlich wurde jedoch auch der Aspekt von Bedingungslosigkeit in der Liebe, sowohl in der Partnerschaft, als auch in anderen Beziehungen: „Liebe ist für mich etwas "bedingungsloses", also nicht an das Erfüllen von bestimmten Pflichten geknüpft. Außerdem gibt es verschiedene Qualitäten von Liebe, die tiefe Liebe zu Eltern und Geschwistern, die einen mit Tag der Geburt eingepflanzt wurde ist qualitativ anders als die Liebe zu einem Partner.“ Unter den Links findest du alle Definitionen der Männer und Frauen.

 
Zwischenfazit der Umfrage

Alles zusammen, lassen sich aus der Umfrage wohl folgende Schlüsse ziehen:

  • Der Liebesbegriff lässt sich wohl am besten mit Wörtern wie Vertrauen, Zuneigung und Verbundenheit umschreiben
  • Es bestehen Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Für Männer scheint die Komponente der körperlichen Anziehung bedeutsamer, bei den Frauen der Aspekt Sicherheit. Die Unterschiede sind jedoch eher marginal und die Gemeinsamkeiten überwiegen.
  • Liebe kann eher bezogen auf eine Partnerschaft oder allgemeiner verstanden werden. Wichtig ist allerdings ein Aspekt von Bedingungslosigkeit in der Liebe.
 
Schlussfolgerungen für Beziehungen

Bisher befanden wir uns auf der Ebene der Statistik und somit, allgemeinen Aussagen. Aber was bringt es dem Leser dieses Blogs für seine Beziehung, wenn er oder sie sagen kann, was die meisten Menschen wohl unter Liebe verstehen. Viel bedeutsamer ist doch, was jeder persönlich, und die bedeutsamen Menschen im Umfeld, unter Liebe verstehen und nicht, was eine Umfrage sagt. Der Bezug auf Statistiken, gibt uns Sicherheit und kann uns helfen uns im Vergleich zu einer Referenzgruppe zu positionieren. Die Umfrage hilft vielleicht eine Antwort auf die Frage „wie stark entspricht mein Verständnis von Liebe dem der Mehrheit?“ zu finden. Sie kann dazu führen, dass wir uns im Recht sehen und wir andere überzeugen möchten ihr Unrecht anzuerkennen, aber das ist nicht die Intention dieser Umfrage gewesen.
In der Umfrage hatten 104 Menschen 32 unterschiedliche Begriffe anstatt dem Wort „Liebe“ genannt. Entsprechend würde ich dem Leser dieses Blogs empfehlen, diese Umfrage als Anregung zu sehen: als Anregung für Selbstreflektion, um selbst einen Standpunkt zu finden und als Anregung, um in den Austausch zu gehen.

 
Liebe und Selbstliebe

Wie wir gesehen haben impliziert der Begriff ein hohes Maß an Bedingungslosigkeit. Und um genau diese Bedingungslosigkeit zu erreichen, erfordert es ein hohes Maß an Selbstliebe, was in dem Spruch „um lieben zu können musst du dich selbst lieben können“ ausdrückt. Damit meine ich nicht die fälschlicherweise oft damit verwechselte Eigenschaft „Egoismus“ oder in ihrer klinischen Form: „Narzissmus“. Stattdessen meine ich genau das, was die Umfrageteilnehmer beschrieben haben, nämlich: Vertrauen, Zuneigung und Geborgenheit. Vertrauen bedeutet hierbei Vertrauen in sich selbst, also Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Stärken, was sich schließlich als Selbstvertrauen äußert. Zuneigung nehme ich auch wörtlich und meine damit sich selbst zugeneigt zu sein, also sich und seinen Bedürfnissen Beachtung zu schenken. Und schließlich Geborgenheit als Geborgenheit in sich selbst, als eine Form von Selbstakzeptanz, Verbundenheit, innerer Ruhe und Wärme.
Wem diese Qualitäten nicht von Haus aus ins Leben mitgegeben wurden, empfehle ich Psychotherapie oder eine andere Form der Selbstentwicklung. Gerade in letzter Zeit wurden hierzu Programme entwickelt, die buddhistische Praktiken für Westler greifbar machen und mit denen sich diese Qualitäten trainieren lassen.

 
Liebe in der Partnerschaft

Und für die Partnerschaft empfehle ich die erwartungsreiche Frage „Liebst du mich“, vielleicht durch Formulierungen wie „vertraust du mir?“, “empfindest du mir gegenüber Zuneigung?“ oder „fühlst du dich mit mir verbunden?“ zu ersetzen. Die Bejahung dieser Fragen mag wohl nicht so erfüllend sein, wie die Bejahung der Liebesfrage, aber dafür ist die Enttäuschung auch nicht so groß, wenn im nächsten Moment eine Bedingung gestellt wird.
Und schließlich möchte ich alle Leser anregen sich mit ihrem Gegenüber Fragen wie „was verstehst du unter Liebe?“ oder „was darf ich verstehen, wenn du sagst, dass du mich liebst?“ zu widmen. Vielleicht bewirkt ja genau diese Art von Austausch das, worüber sich die beiden Gesprächspartner inhaltlich austauschen, nämlich Vertrauen, Zuneigung und Verbundenheit – oder einfach: Liebe.
Um diesen Austausch aufzunehmen, kann dieser Blogbeitrag gerne via icons über facebook, whatsapp und co . (links im Bild) geteilt werden. Durch die Anmeldung für die Männernews halte ich dich über neue Blogeinträge rund um das Thema Männlichkeit, Beziehungen und psychische Gesundheit auf dem Laufenden.

 

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